Geschichte der Werbung

Der interaktive Zeitstrahl zur Geschichte der Werbung bietet einen umfassenden Überblick.

Werbung hat eine lange und spannende Geschichte, die eng mit gesellschaftlichen, technologischen und kulturellen Veränderungen verknüpft ist.

Dieses Webprojekt beleuchtet jene Geschichte in vielen bunten Facetten und bietet einen umfassenden Überblick über die Entwicklung der Werbung von ihren frühen Anfängen bis hin zur Gegenwart. Mithilfe eines interaktiven Zeitstrahls werden die wichtigsten Meilensteine und Wendepunkte der Werbegeschichte anschaulich dargestellt. Die Seite lädt dazu ein, in die Welt der Werbung einzutauchen und die verschiedenen Epochen zu erkunden.

Von den ersten Werbetafeln im antiken Rom über die aufkommende Printwerbung im 17. Jahrhundert bis hin zu den bahnbrechenden Fernseh- und Onlinekampagnen der Gegenwart – jede Epoche bringt ihre eigenen Innovationen und Herausforderungen mit sich. Dabei wird deutlich, wie sich Techniken, Strategien und Medien im Laufe der Jahrhunderte entwickelt und an die Bedürfnisse und Technologien ihrer Zeit angepasst haben.

Vormoderne Geschichte

In vor- und frühkapitalistischen Zeiten war die Wirtschaftsstruktur vollkommen anders als heute. In dieser Zeit wurden Waren durch Handwerker:innen in kleinen Werkstätten hergestellt. Der Absatz erfolgte meist lokal oder regional und die Produktion war auf die Kapazitäten dieser Werkstätten beschränkt. Dadurch war der Markt nicht so anonym wie heute. Käufer:innen und Verkäufer:innen kannten sich oft persönlich, was das Vertrauen in die Qualität der Produkte förderte. Es gab keinen Bedarf an Werbeträgern, die eine breite, anonyme Öffentlichkeit erreichten. Trotzdem gab es teilsweise bereits verkaufsfördernde Maßnahmen, die ein Vorläufer der heutigen Werbung darstellen. Vor allem in Hochkulturen, in denen es bereits größere Städte gab und der Markt entsprechend umfassender und anonymer war, fanden sich auch damals bereits diverse Werbemittel (vgl. Altendorfer 2004: 45).

11. bis 4. Jt. v. Chr.

Altes China

Bambusflöten erzeugen Aufmerksamkeit und sollen den Verkauf von Süßigkeiten fördern, es gibt kalligrafische Schilder und eingefärbte Papiere als Werbeträger
(vgl. Bhatia 62ff.)

3. Jt v. Chr. bis 4. Jh. n. Chr

Altes Ägypten

Werbebotschaften und Wandplakate aus Papyrus
(vgl. Bhatia 62ff.)

Um 0 v./n. Chr.

Pompeji

Plakate vor allem mit politischen Werbebotschaften
(vgl. Bhatia 62ff.)

960–1127

Song-Dynastie in China 1

Weltweit älteste bekannte gedruckte Werbung,
gedruckt mittels Bronzeplatte (siehe Foto)
Älteste bekannte chinesische Marke mit dem Slogan:
„Sie erkennen das weiße Kaninchen vor dem Eingang.“
(vgl. Puppin 2020: 3)

ca. 14. bis 15. Jh

Spätmittelalter

Im Spätmittelalter werden die europäischen Städte größer, und damit auch das Angebot auf ihren Märkten. Straßenhändler:innen ziehen von Stadt zu Stadt und preisen ihre Waren mit lauten Geschrei an. Jede:r Händler:in hat einen unverwechselbaren Ausruf, eine Kombination aus Wörtern und einer charakteristischen Melodie, die es den Käufer:innen ermöglicht, die:den fahrende:n Händler:in anhand ihres:seines Klangs zu identifizieren. Eine frühe Version des Jingles, könnte man sagen. Stationäre Geschäfte machten mit Schildern auf sich aufmerksam. Da ein Großteil der Bevölkerung nicht lesen kann, werden über Geschäften Piktogramme angebracht, wie etwa einen Stiefel für Schustereien.
(vgl. Boutin 2005)

Neuere Geschichte

Mit der Erfindung des Buchdrucks, mit der auch das Ende des Mittelalters einherging, änderten sich die Verhältnisse allmählich. Inhalte konnten durch Guttenbergs Entwicklung nun im verhältnismäßig großen Stil verbreitet werden, was sich nicht zuletzt die Werbetreibenden zunutze machten. Werbung in ihrer modernen Form, wie wir sie heute kennen, nahm erstmals mit der Entstehung von (Wochen-)Zeitungen im 16. und 17. Jahrhundert gestalt an (vgl. Altendorfer 2004: 45).

Um 1450

Erfindung des Buckdrucks

Johannes Gutenberg nutzte erstmals wiederverwendbare aus Blei gegossene Letter, die zu einem Text zusammengesetzt werden konnten. Diese Technik wird als Typographie bezeichnet.
(vgl. Dotzler & Roesler-Keilholz 2017: 26f.)

Ab 1605

Aufkommen von (Wochen-)Zeitungen

Johann Carolus beschließt, seine bisher von Hand vervielfältigten Briefe künftig zu drucken und gründet so die erste Zeitung. Die Briefe enthalten aktuelle Informationen, die ihm von seinen Berichterstatter:innen zugetragen werden.
(vgl. Dotzler & Roesler-Keilholz 2017: 26f.)

Um 1660

Anzeigen in Wochenzeitungen

Seit etwa 1660 wurden Anzeigen in den inzwischen immer weiter verbreiteten Wochenzeitungen veröffentlicht. Da allerdings die Zunft der Branche keine Veröffentlichung von Anzeigen erlaubte, handelte es sich dabei eher um eine Randerscheinung.
(vgl. Altendorfer 2004: 45)

1727

„Intelligenzwesen“ in Preußen

In Preußen wird das sogenannte „Intelligenzwesen“ eingeführt. Dabei handelt es sich um einen Vorläufer des heutigen Amtsblatts, dem Intelligenzblatt, in welchem staatliche Bekanntmachungen und private Anzeigen zentral veröffentlicht wurden. Mit der Einführung des Intelligenzwesens ging auch der Intelligenzzwang einher, der ein Anzeigenmonopol für Intelligenzblätter darstellte. Anzeigen durften also nicht mehr in privaten Zeitungen veröffentlicht werden.
(vgl. Altendorfer 2004: 46)

1760

Beginn der Industriellen Revoluton

Ab etwa 1760 beginnt die Industrielle Revolution in England. In Deutschland beginnt die Industrialisierung erst im frühen 19. Jahrhundert. Durch effizientere maschinelle Produktion können auf einmal viel mehr Güter hergestellt werden, was du einem enorm gesteigerten Angebot führt. Die Nachfrage entwickelt sich dagegen nur langsam. Dadurch wird Werbung Mitte des 19. Jahrhunderts zum ersten Mal im großen Stil und auch überregional notwendig.
(vgl. Heun 2017: 3)

1848/1849

Aufhebung des Intelligenzzwangs

Mit der Revolution von 1848/1849 fiel der Intelligenzzwang und auch die Pressezensur wurde abgeschafft. Dadurch entstanden schnell viele neue Zeitungen. Anzeigen konnten fortan in vielen verschiedenen Medien veröffentlicht werden.
(vgl. Altendorfer 2004: 46)

1852

Anzeige der Firma Jung2

„JUNG’S ZAHNREINIGUNGSESSENZ
Mein Agent, P. J. Klotten, Glasstraße Nr. 6 in Köln, besorgt die Aufträge auf mein Zahnreinigungs-Mittel, Preis 10 und 15 Ggr. die Flasche. M. Jung, Zahnarzt in Braunschweig.“
(Bild anklicken zur vollständigen Ansicht)

1855

Erste Litfaßsäule & „Insertionsagentur“3

Ernst Litfaß, Erfinder der nach ihm benannten Litfaß-Säule, bekommt in Berlin die Genehmigung zur Errichtung seiner ersten Anschlagsäule. Im gleichen Jahr wird in Hamburg die erste Insertionsagentur mit dem Namen „Haasenstein & Vogler“ gegründet, ein Vorläufer der heutigen Werbeagenturen.
(vgl. Heun 2017: 4)

1870er

Konjunkturzeit

In den 1870er Jahren erlebte die Wirtschaft einen enormen Aufschwung, begleitet von Bevölkerungswachstum und zunehmender Urbanisierung. Werbung wurde immer wichtiger, da sie notwendig war, um Produkte überhaupt erst bekannt zu machen. Viele Industrien begannen nun, Werbeanzeigen im großen Stil zu nutzen.
(vgl. Altendorfer 2004: 46)

Um 1900

Zunehmende Popularität des Werbefilms

Die Geschichte des Werbefilms begann in Deutschland um die Jahrhundertwende mit der Eröffnung der ersten Kinos. Aufgrund des raschen Wachstums der Kinos erlebte der Werbefilm um 1910 einen ersten Boom. Der erste deutsche Werbefilm stammt von Oskar Messter aus dem Jahr 1896 und warb für eine häusliche Badewanne. Vor der eigentlichen Filmvorführung wurde üblicherweise ein Werbefilm gezeigt.
(vgl. Altendorfer 2004: 46)

1901

Anzeige für „Winters Patent Öfen“4

„Winters Patent Öfen Germanen sind vorzüglich, über 170.000 Stück im Gebrauch, neue moderne Modelle nach Entwürfen von Prof. Olbrich“
(Bild anklicken zur vollständigen Ansicht)

1903

Gründung des Deutschen Markensverbands

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann eine gewisse Professionalisierung der Werbung. Plakatmaler:in war erstmals ein eigenständiger Beruf, für Anzeigen wurden konkrete Ziele festgelegt und Marken spielten eine größere Rolle. So gründeten unter anderem Fritz Henkel und August Oetker gemeinsam mit anderen Unternehmer:innen den bis heute bestehenden Deutsche Markenverband, der sich für die Interessen der Markenwirtschaft einsetzt.
(vgl. Heun 2017: 4ff.)

1914-1918

Erster Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg führte zu einem starken Krise der Werbungbranche. Zeitungsanzeigen wurden seltener genutzt, Plakatwerbung verlor an Bedeutung und Leuchtreklamen mussten verschwinden. Allerdings gewann der Werbefilm an Bedeutung, da Filme nun als Propagandamittel genutzt wurden. In den Kinos wurde für gewöhnlich pro Vorstellung ein etwa zwei bis drei Minuten langer Propagandafilm gezeigt.
(vgl. Altendorfer 2004: 47)

1920er

„Goldene Zwanziger“5

Nach dem Ersten Weltkrieg folgten Krisenjahre, die allerdings ab Mitte der 1920er Jahre endgültig vorbei gingen. Auch die Werbewirtschaft profitierte davon und konnte schon 1928 das Vorkriegsniveau bezogen auf den Umsatz deutlich übertreffen. Printwerbung war das dominierende Medium, es entwickelten sich aber auch neue Formate wie Eisenbahnwerbung, Werbung an hochfrequentierten innerstädtischen Straßen oder Post- und Radiowerbung. Unternehmen hatten nun meist eigene Werbeabteilungen und auch in der Wissenschaft wurde Werbung nun genauer betrachtet. Aufgrund des hohen Werbeaufkommens liefen vor Kinofilmen nun meist mehrere Werbefilme.
(vgl. Altendorfer 2004: 47)

1927

Kinowerbung von Dr. Oetker

Beispiel für einen zeitgenössischen Kinowerbefilm:
➔ https://www.youtube.com/watch?v=DeSHuUR-kfo

Ab 1928

Tonfilm

Nachdem der Tonfilm ab dem Anfang der 1920er Jahre bereits mit einzelnen Produktionen Einzug ins Kino erhielt, nutze ab etwa 1928 auch der Werbefilm erstmals allmählich die neue Technik.
(vgl. Altendorfer 2004: 47)

Ab 1929

Weltwirtschaftskrise6

Ausgehend vom Crash der New Yorker Börse im Oktober 1929 begann die Weltwirtschaftskrise. Mit dem Rückgang des Wirtschaftsvolumens geriet die Werbebranche erneut in Bedrängnis. Das Werbeaufkommen aus der freien Wirtschaft brach ein, wodurch es für die Nationalsozialisten anschließend deutlich einfacher wurde, die Medien gleichzuschalten und Werbung zu eigenen propagandistischen Zwecken zu nutzen.
(vgl. Altendorfer 2004: 48)

1933

Machtergreifung durch die Nationalsozialisten

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 gliederten sich alle nennenswerten Verbände der Werbewirtschaft schnell in das neue System ein. Im Sommer wurde die Werbebranche dem neuen Propagandaminister Joseph Goebbels untergeordnet. Ein Werberat der Regierung musste jede Wirtschaftswerbung genehmigen. Personen, deren nationalsozialistische Gesinnung nicht ausgeprägt genug war oder die beispielweise jüdischen Glaubens waren, wurden aus dem Sektor entlassen und erhielten Berufsverbote.
(vgl. Altendorfer 2004: 48f.)

1933

Farbfilm in der Werbung

Noch bevor ganze Filme in farbe verfügbar wurden, liefen die ersten bunten Werbefilme. Die Filmbranche wurde staatlich subventioniert, was dem Werbefilm einen erneuten Boom verschaffte.
(vgl. Altendorfer 2004: 49)

1935

Einstellung der Radiowerbung

Propagandaminister Joseph Goebbels stand privater Werbung im Radio von vornherein kritisch gegenüber. Er wollte die volle Kraft des Radios zur Verbreitung der nationalsozialistischen Ideologie nutzen. Daher wurde die Radiowerbung ab 1935 verboten und bis zum Ende des 2. Weltkriegs nicht wieder aufgenommen.
(vgl. Altendorfer 2004: 50)

1942

Endphase des Dritten Reichs

Durch die Kriegsanstrengungen durften ab 1942 nur noch Werbefilme produziert werden, denen Kriegswichtigkeit attestiert wurde. Für alles andere Standen keine Kapazitäten mehr zur Verfügung. Ab 1944 wurden Werbefilme vollständig verboten.
(vgl. Altendorfer 2004: 49)

Werbung in der DDR

In der DDR wurde Werbung lange als Relikt des Kapitalismus angesehen und galt nach marxistisch-leninistischer Lehre als unproduktive Ausgabe. Sie diente in erster Linie der ideologischen Beeinflussung und Propaganda, ähnlich wie der Journalismus. Anders als im Westen sollte Werbung der Ideologie folgend nicht dem Profit, sondern der Gesellschaft dienen. Die wenigen Werbeformen, die es gab, waren streng ideologisch geprägt. Sozialistische Werbung sollte keine niederen Instinkte ansprechen, keine falschen Vorbilder schaffen und immer wahrhaftig sein. Die Hauptaufgaben der Werbung in der DDR waren sogenannte Binnenwerbung, die als Orientierungshilfe diente und das Sortiment vorstellte, Werbung zu wichtigen gesellschaftlichen Anlässen sowie Werbung in nichtsozialistischen Auslandsmärkten im Geschäftsverkehr (vgl. Altendorfer 2004: 51f.).

Bildnachweis: 7

Ab Ende der 1940er

Kinowerbung im Stil der 30er Jahre

Kinowerbung in der DDR folgte einem Schema, dass bereits in den 1930er Jahren genutzt wurde. Der Werbeblock war zweigeteilt und begann mit einigen kurzen Spots, häufig mit Inhalten von regionalen Geschäften. Im Anschluss daran wurde ein propagandistisch-dokumenarischer Kurzfilm gezeigt.
(vgl. Forster 2006: 57)

1959

Tausend Tele-Tips

„Tausend Tele-Tips“ lief im Vorabendprogramm des DFF, anfangs nur montags, später täglich außer sonntags. Die Werbung konzentrierte sich einerseits auf direkte Produktpromotion mit Einkaufsszenen und Verkaufsgesprächen in ruhiger Atmosphäre. Andererseits wurden Anlässe wie Weihnachten oder bestimmte Geschäfte hervorgehoben, wobei die Darstellung des Produkts oft knapp ausfiel.
(vgl. Golonka 2009: 31)

1967

Historische Werbesendung

Ein Beispiel für Inhalte der Sendung „Tausend Tele-Tips“:
➔ https://www.youtube.com/watch?v=pfnODbvpwDY

Ab 1971

Wandel zu politischer Agitation

Ab 1971 verschlechterten sich die Bedingungen für die Werbung unter Erich Honecker, da der Fokus im Anbetracht der schlechten Verfügbarkeit von Waren und der allgemein unvorteilhaften wirtschaftlichen Lage der DDR stärker auf politische Agitation und Belehrung gelegt wurde. Berichte über Waren wurden durch politische Inhalte ersetzt. Werbung wurde als ideologisches Werkzeug betrachtet, und es wurde versucht, imperialistischen Einflüssen mit sozialistischer Moral entgegenzuwirken. Werbung wurde oft mit gesellschaftlichen Aufgaben verknüpft, wie etwa Haushaltsmodernisierung oder Gesundheitstipps. Um den Mangel an Konsumgütern zu kaschieren, entwickelte das Fernsehen neue Formate, die weniger aufwendig und kostspielig waren, jedoch oft wenig überzeugend wirkten.
(vgl. Forster 2006: 64)

1975

Kürzung des Werbebudgets

Am 23. Januar 1975 wurde die „Anordnung zur Durchsetzung sozialistischer Sparsamkeit beim Einsatz materieller und finanzieller Mittel für Werbung und Repräsentation“ erlassen. Diese und die darauffolgenden Maßnahmen führten dazu, dass die Produktion neuer Produktwerbungen für das Inland praktisch unmöglich wurde und Werbung mit Ausnahme von Informationen zu Lotterien und Versicherungen bald eingestellt wurde, weil die ständige Wiederholung vorhandener Werbefilme keine zukunftsfähige Strategie darstellte.
(vgl. Forster 2006: 55)

1976

Einstellung von Tausend Tele-Tips

Durch die vorangegangene Kürzung des Werbebudgets musste auch „Tausend Tele-Tips“ eingestellt werden. Damit endet die Ära der Produktwerbung in der DDR. Stattdessen wurden fortan propagandistische Inhalte ausgestrahlt, die aber bei der Bevölkerung auf wenig Gegenliebe trafen.
(vgl. Golonka 2009: 33)

1989

Mauerfall8

Nach dem Mauerfall am 9. November 1989 trafen die Ostdeutschen auf eine neue Waren- und Werberealität, die sie nicht gewohnt waren. Zunächst herrschte eine große Begeisterung für Westprodukte, die zu vollen Geschäften führte, während die Ostprodukte auf Ablehnung stießen. Die Freude, endlich am Markt teilnehmen zu können, wich jedoch schnell der Enttäuschung und der Rückbesinnung auf Ostprodukte, auch angesichts der Diskrepanz zwischen westlichen Werbeversprechen und den tatsächlichen Produkten.
(vgl. Golonka 2009: 33f.)

Werbung in der BRD

In der Bundesrepublik Deutschland als Staat mit kapitalistischer Wirtschaftsform hatte Werbung von vornherein einen vollkommen anderen Stellenwert als in der DDR. Wie bereits zu Zeiten der Weimarer Republik nutzten private Unternehmen Werbung als Mittel, um ihren Absatz zu steigern und ihre Produkte bekanntzumachen. In den ersten Nachkriegsjahren wurde die Werbung überwiegend von jenen Akteur:innen dominiert, die auch während der NS-Zeit aktiv gewesen waren. Die gestalterischen und textlichen Methoden sowie das klassische Familien- und Frauenbild blieben erhalten, allerdings ohne die völkischen Elemente. Bis in die 1960er Jahre blieben diese Altvorderen auch in der Forschung tonangebend. Amerikanische Werbepraktiken setzten sich erst nach und nach durch (vgl. Altendorfer 2004: 51).

Bildnachweis: 9

Ab 1949

Werbung im öffentlich-rechtlichen Radio

Unmittelbar nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde bereits wieder landesweit Radiowerbung ausgestrahlt. Im amerikanischen Sektor kehrte die Radiowerbung bereits während der Besatzungszeit zurück.
(vgl. Altendorfer 2004: 50f.)

1950er

Emotionalisierung und Zielgruppenfokussierung

Ab den 1950er Jahren setzte man in der Werbung vermehrt auf Emotionen und schnitt die Werbung stärker auf einzelne Zielgruppen zu, anstatt sich wie im Nationalsozialismus an die (vermeintlich) homogene Masse des Volkes zu wenden. Damit setzte sich eine Entwicklung fort, die bereits in der Weimarer Republik begonnen hatte. Die Werbebranche profitierte dabei vom Wirtschaftswunder un dem damit verbundenen steilen Aufschwung.
(vgl. Heun 2017: 8)

Ab 1956

Werbung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen

Fernsehwerbung wurde erst ab Ende der 1950er Jahre wieder ausgestrahlt. Dabei begann der Bayrische Rundfunk als erster Sender damit im Jahr 1956, alle weiteren Rundfunkanstalten folgten bis 1959.
(vgl. Altendorfer 2004: 51)

1959

„Underberg“-Werbung

Aufgrund fehlender Regulierung nahm es die Werbung zu dieser Zeit nicht immer so genau mit der Wahrheit. Klassische Rollenbilder werden prominent dargestellt. Viele Werbungen richten sich direkt an Hausfrauen, die für den Einkauf zuständig sind und daher die Kaufentscheidungnen treffen.
➔ https://www.youtube.com/watch?v=XeYIxxSvQzU

1967

DIERCKE Weltatlas10

Die DIERCKE-Werbung verspricht einen Nutzen für verschiedene Zielgruppen, die direkt angesprochen werden.
(Bild anklicken zur vollständigen Ansicht)

1970er

Neue Werbeformen

Die Zeit des Wirtschaftwunders neigt sich dem Ende zu und der Markt ist nun größtenteils gesättigt. Es müssen also neue Strategien her, um den Absatz trotzdem weiter zu erhöhen. In diesem Zuge kommen neue Werbeformen wie Sponsoring oder auch Merchandising auf.
(vgl. Altendorfer 2004: 51)

1972

Jacobs Kaffee

Die Werbung setzt auch weiterhin auf klassische Rollenbilder. In diesem Beispiel wird die Emotionalisierung besonders drastisch sichtbar.
➔ https://www.youtube.com/watch?v=RyZyfV82CDQ

1980er

Überangebot von Werbung

Das Wirtschaftswunder ist nun endgültig vorüber und mit der bald folgenden Einführung des Dualen Rundfunksystems wird es deutlich komplizierter, eine breite Öffentlichkeit zu erreichen, da das Publikum nun die Wahl zwischen einer großen Angebotsvielfalt bekommt. Kampagnen müssen nun stärker crossmedial angelegt werden, um trotz des Überschusses an verfügbaren Informationen wahrgenommen zu werden.
(vgl. Heun 2017: 10)

1984

Einführung des Dualen Rundfunksystems

Mit der Einführung des Dualen Rundfunksystems kommt der Werbung im Rundfunk eine völlig neue Bedeutung zu. Ganze Sender finanzieren sich fast ausschließlich durch Werbung. Entsprechend mehr Sendeplätze für Werbespots gibt es nun.
(vgl. Altendorfer 2004: 51)

1984

Nutella-Werbung

Auch weiterhin können Unternehmen ihre Produkte mit relativ geringen Einschränkungen als gesund bewerben, wie in diesem Beispiel von Nutella deutlich wird.
➔ https://www.youtube.com/watch?v=xhA-uPPGpiM

1994

Milka-Werbung

Im Kampf um die Aufmerksamkeit der Zuschauer:innen müssen Unternehmen kreativ werden und setzen zunehmend auf möglichst unterhaltsame Werbespots, zumal die Vorschriften bezüglich irreführender Werbung restriktiver werden und somit weniger werbliche Aussagen mit fragwürdigem Wahrheitsgehalt getroffen werden können.
➔ https://www.youtube.com/watch?v=g9z3G-duHdQ

2006

Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 „Health Claims“

Die EU-Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 regelt nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel, auch in der Werbung. Die Angaben müssen künftig wissenschaftlich fundier und leicht verständlich sein. So sollen Verbraucher:innen vor Irreführung geschützt, Transparenz gefördert und ein einheitlicher Rechtsrahmen für die Industrie in der Europäischen Union geschaffen werden. Die Verordnung steht damit stellvertretend für zahlreiche Verschärfungen des Werberechts, die seit den 1980er Jahren vorgenommen wurden, um irreführende Werbung zu unterbinden.
➔ Weiterführende offizielle Informationen beim BVL

2000er

Digitaliserung der Werbung

Mit der Verbreitung des Internets und der damit einhergehenden Digitalisierung sind zahlreiche neue Werbeformate und -plattformen entstanden. Gleichzeitig ermöglicht digitale Werbung eine starke Individualisierung und Interaktion mit Anzeigen. Diese Entwicklung setzt sich bis heute fort und ist Gegenstand aktueller Forschung.
(vgl. Heun 2017: 10ff.)